Lino Markfort

Tonabnehmer – Die Seele eines elektrischen Saiteninstrumentes

Die Erfindung der Tonabnehmertechnik war ein absoluter Durchbruch für die Möglichkeiten von Musikern und ein großer Schritt für die Musikindustrie, um aus akustischen Instrumenten elektrifizierte, verstärkte Instrumente zu machen. Dies sollte die Art und Weise der Spieltechnik und die Bedeutung einzelner Instrumente im Zusammenhang mit Bands und Ensembles maßgeblich verändern!

 

Ein Auszug aus der Geschichte von Tonabnehmer-Systemen

Erste Geräte, welche die Tonabnehmertechnik nutzten waren z.B. der Phonograph (welcher von Thomas Edison erfunden wurde) oder das Grammophon. Allerdings waren diese noch „mechanischer“ Natur. Dabei wurde mit Hilfe von mechanischen Nadelbewegungen ein Ton erzeugt. Dabei hat der Tonträger die erforderlichen Informationen über die akustischen Signale in Form von Vertiefungen im Trägermaterial. Anfangs waren diese Tonträger für den Phonographen noch Rollen aus Metall (meistens Zinnfolien) und später wurden dann Vinylplatten genutzt, um die Informationen bereitzustellen. Die Entstehung eines akustischen Signals ging dabei durch die Übertragung der Strohgeige vonstatten. Diese nahm die mechanische Schwingung der Saite auf und übertrug diese mit Hilfe einer Membran. Durch einen Schalltrichter wurden die Schwingungen der Membran dann direkt in Luftschwingung umgewandelt und somit hörbar. Bei der Abtastnadel handelte es sich meistens um eine spitz geschliffene Stahlnadel. Später wurden dann bei Plattenspielern Diamantnadeln verwendet, da diese eine wesentlich genauere und störgeräuschärmere Übertragung zuließen. Problematisch war dabei nur, dass die Diamantnadeln recht preisintensiv waren und ein Verlust dieser sehr schmerzlich war.

Aufgrund der guten Funktionsweise hielt die Vinyltechnik deshalb immerhin bis zum Ende der 1970er Jahre. Dann wurde sie allerdings durch kleinere Datenträger wie die Compact Cassette (CC) abgelöst, da es einfacher war diese auf portablen Geräten abzuspielen. Dabei wurde es wesentlich einfacher Musik mitzunehmen und an verschiedenen Orten zu genießen. Der große Durchbruch für portable Musikabspielgeräte gelang unter anderem Sony mit dem Walkman.

Es sollte allerdings nicht lange dauern, dass auch die Kassettentechnik als veraltet galt. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde die Compact Disc (CD) auf den Markt gebracht, welche bis heute neben der Schalplatte der beliebteste Musikdatenträger ist. Nicht zuletzt war die CD zu Beginn allerdings in die Kritik geraten, weil sie unter der als „Digitalitis“ bezeichneten, Krankheit litt. Durch die Art und Weise der Verarbeitung von Signalen, welche auf dem Prinzip von Computersprache – also „0“ und „1“ – basiert, beschrieben viele Musikhörer einen Verlust von „Klangtiefe“, wie sie die Vinylschallplatte geliefert hatte. Somit klangen die ersten Aufnahmen, welche nur über CD´s verbreitet wurden oft sehr elektronischen und hatten wenig mit der Lebhaftigkeit der Schallplattentechnik gemein.

Der Wandel der Musikdatenträger hatte allerdings kein Ende und so wurde zu Beginn der 2000er Jahre das Datenformat MP3 eingeführt. Diese hat bis in die heutige Zeit Bestand und führte zu einer völlig neuen Art und Weise Musik zu hören. Unter anderem gibt es seit den 1990er Jahren unzählige Anbieter von Musik-Streaming-Diensten, wobei man über ein mobiles Endgerät auf eine riesige Auswahl von Musik auf externen Servern zugreifen kann. Einer der ersten Streamingdienste im Internet war u.a. MySpace. Die Möglichkeit online verfügbare Musik zu nutzen, nahmen immer mehr Menschen war, sodass sich dieser Vertriebsweg heute gerade bei jungen Leuten etabliert hat. Damit hat auch die Kultur des CD-Regals bzw. des Schalplatten- oder Kassetten-Regals in privaten Haushalten ein Ende genommen.

In der heutigen Zeit erlebt die Vinyltechnik jedoch ein echtes „Revival“, wobei viele junge Menschen wieder einen Plattenspieler erwerben und Platten sammeln, um dieser „alten“ Musikabspieltechnik ihren Respekt zu zollen. Dabei wird immer wieder der gute „Klang“ und die „Klangtiefe“ als Grund genannt, weshalb man auf diese Technik zurückgreift!

 

Tonabnehmer bei Musikinstrumenten

Da nun ein kurzer Blick auf die Geschichte von Tonabnehmersystemen geworfen wurde, stellt sich nun die Frage, wie eigentlich Musiker ihre Instrumente mit Tonabnehmern verbessern können. Des Weiteren stellt sich auch die Sinnfrage: Weshalb sind Tonabnehmer überhaupt für Instrumente relevant?

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Musik ihren Charakter durch große Völkerwanderungen (z.B. der große Exodus um 1830 aus Europa nach Amerika) veränderte, entstanden auch neue Arten des Zusammenspiels von Musikern. In den Jahrhunderten davor war Musik vor allem von Orchestern und kleinen Ensembles mit vorwiegend klassischen Instrumenten gemacht worden. Diese Instrumente wurden meist aus gut abgelegenem Holz von Instrumentenbauern hergestellt. Dabei war es für einen Bürger der Unter- und Mittelschicht der damaligen Zeit kaum erschwinglich ein solches Instrument zu erwerben.

Somit war es vor allem der Oberschicht vorbehalten Musikinstrumente anzuschaffen und dann von Hausmusikern bespielen zu lassen oder selbst zu spielen. Allerdings nahm zu Beginn der 20. Jahrhunderts durch „Melting Pots“, wie das amerikanische New Orleans, der Wunsch aller Gesellschaftsschichten zu, Musik zu spielen. Dabei entstanden gerade durch die Vermischung verschiedener Kulturen (z.B. afrikanische, französische, latein-amerikanische, spanische, etc.) neue Stile wie z.B. „Cajun“ und „Zydeco“ oder Vorgänger des Blues „Rag-Time“. Die Musikgruppen die diese Stile spielen wollten, hatten allerdings oft große Probleme mit rein akustischen Instrumenten ihre Musik zu spielen. Dabei war es vor allem problematisch, dass einige Instrumente aufgrund ihrer Bauart viel lauter waren als andere. Ein Schlagzeug oder Percussion-Instrumente waren dann oft so laut, dass von den Klängen der Gitarre oder des Basses nichts mehr zu hören war.

Aus diesem Grund wurden vor allem Saiteninstrumente die ersten Objekte, welche optimiert werden mussten, um im Klangbild einer Band nicht unterzugehen. Noch ohne Tonabnehmer zu verwenden wurde versucht die Gitarre lauter zu machen, indem man den Korpus aus Metall herstellte. Zudem wurde eine Art Lautsprecher unter der Decke der Gitarre verbaut, sodass diese eine stärkere Resonanz bekam. Somit waren die sogenannten Resonator-Gitarren entstanden.

In den 1920er Jahren gab es dann erste Versuche Gitarren mit Hilfe von Tonabnehmer durchsetzungsfähiger zu machen. Dabei wurden damals meistens noch sogenannte „Hollow-Body“-Gitarren (also Gitarren, welche den akustischen Gitarren ähneln) mit Tonabnehmern ausgestattet. Diese Art der Verstärkung beruhte meist auf dem Konzept eines elektromagnetischen Tonabnehmers. Dieser wurde dann mittels eines Verstärkers genutzt, um die Lautstärke des Instrumentes an die anderen Instrumente anpassen zu können.

In der weiteren Entwicklung der Gitarre wurde dann der Korpus in einen „Solid-Body“ umgewandelt. Statt eine Gitarre aus mehreren Teilen zu bauen, konnte aus einem Stück Holz der Korpus der Gitarre geschnitten werden. Dabei war es nicht nur einfacher den Korpus herzustellen, sondern er hatte auch andere Klangeigenschaften, welche den Zeichen der Zeit folgten. Diese Art der Bauweise, also eine „Solid-Body“ Gitarre mit elektromagnetischem Tonabnehmer hat sich bis heute gehalten. Zudem wurden diverse Ausführungen von elektromagnetischen Tonabnehmern entwickelt, sodass es bis heute unzählige Arten gibt. Nicht nur Gitarren, sondern auch Bässe wurden mit elektromagnetischen Tonabnehmern ausgestattet. Außerdem entwickeln sich auch neue Arten von Saiteninstrumenten, wie z.B. die Lapsteel-Gitarren.

Neben den elektromagnetischen Tonabnehmern für die heutigen E-Gitarren gibt es noch weiteren Tonabnehmerarten für Gitarren. Dabei war vor allem der Versuch da die akustischen Instrumente auf eine andere Art und Weise als über ein elektromagnetisches Verfahren abzunehmen. Hierfür wurden die sogenannten Piezoelektrischen Tonabnehmer. Zudem wurde im Zuge der weiteren Digitalisierung der Musik und der Musikinstrumente das Verfahren der MIDI-Tonabnahme entwickelt. Dabei wird dann kein Verstärker im eigentlichen Sinne benötigt, sondern man kann das abgenommene Instrument direkt in eine Musikanlage einspeisen.

 

Arten von Tonabnehmern im Detail

Elektromagnetische Tonabnehmer

Wie schon im vorherigen Abschnitt kurz erläutert ist die wohl bekannteste Art des Musikinstrumenten-Tonabnehmers der elektromagnetische Tonabnehmer. Dabei wird mit Hilfe des Tonabnehmers die Saitenschwingung bei einer E-Gitarre, bei einem E-Bass oder bei elektromechanischen E-Pianos in elektrische Signale (Wechselspannung) umgewandelt. Nun stellt sich die Frage, wie überhaupt dieser „Pickup“ aufgebaut ist. Meistens wird dabei ein Dauermagnet mit einer Spule umwickelt. Die Bewegungen der Saiten können allerdings nur dann aufgenommen werden, wenn diese aus einem ferro-magnetischen Material bestehen. Somit wird das Magnetfeld des Tonabnehmers beeinflusst, wenn die Saite in Schwingung gerät. Dabei erfolgt eine Induktion in die Spule, welche eine Wechselspannung mit der Frequenz der Schwingung der Saite erzeugt. Die Spannung die dabei erzeugt wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Meistens beträgt die Spannung etwa 0,1 V. Dies kann jedoch aufgrund der Saitendicke, der Schwingungsrichtung und -amplitude beeinflusst werden. Grundsätzlich gilt dabei der Leitsatz:

Je dicker die Saite ist, desto höher ist die induzierte Spannung.

Ist eine Spannung erzeugt worden, kann diese durch Effektgeräte verändert werden und wird dann in einen Verstärker geleitet. In der Vergangenheit sind elektromagnetische Tonabnehmer immer wieder durch ein störendes Rauschen in Verruf geraten. Diesem Rauschen versuchte man in der näheren Vergangenheit beizukommen, indem man den Draht der Spulen mit Paraffin (unter Zugabe von 20% Bienenwachs) ummantelt hat. Somit sollten die Schwingungen von „außen“, die auf den Tonabnehmer wirken, reduziert werden.

 

Piezoelektrische Tonabnehmer

Eine völlig andere Art von Tonabnehmer ist der piezoelektrische Tonabnehmer, da er eher als „Kontaktmikro“ fungiert. Meistens wird er auf dem Korpus des Instrumentes befestigt. Im Vergleich zur Anwendung elektromagnetischen Tonabnehmer kann man den „Piezo“ in einer größeren Anzahl von Situationen verwenden.

Um die Schwingungen des Instrumentes zu übertragen, ist deshalb ein besonderer Aufbau des Tonabnehmers erforderlich. Piezoelektrische Tonabnehmer bestehen aus piezoelektrischer Keramik. Das Prinzip mit dem dann Schwingungen übertragen werden, beruht auf der Veränderung der Polarisation der Keramik durch die von außen wirkende Verformung. Durch den entstehenden mechanischen Druck oder Körperschall des Klangkörpers lässt dies eine elektrische Spannung entstehen.

Somit beruht die Funktion des „Piezo´s“ per se nur auf den Schwingungen des Klangkörpers. Im Gegensatz zum elektromagnetischen Tonabnehmer können Saiteninstrumente auch mit Nylon- oder Darmsaiten bezogen und trotzdem verstärkt werden. Die Saite muss nicht aus einem ferromagnetischen Material bestehen.

An Musikinstrumenten werden aktuell vor allem Piezo-Tonabnehmer eingesetzt, wenn akustische Saiteninstrumente abgenommen werden sollen. Neben akustischen Gitarren (Westerngitarren, Konzertgitarren), Kontrabässe können auch anderen Zupfinstrumente, wie beispielsweise Mandolinen, abgenommen werden. Streichinstrumente wie Violinen und E-Geigen werden ebenfalls mit diesem Abnehmer ausgestattet. Des Weiteren finden Piezo-Tonabnehmer auch bei Stimmgeräten Verwendung. Die Töne eines Musikinstrumentes werden dabei an einer schwingenden Stelle aufgenommen und dem Gerät zugeführt. Um diese Funktion eines Stimmgerätes zu ermöglichen, wird der Tonabnehmer üblicherweise als “Klemme” ausgeführt. Diese Klemme kann fest am Stimmgerät befestigt sein, ist aber auch als abgesetztes Teil erhältlich.

Der Tonabnehmer selbst kann wie eingangs beschrieben von außen am Instrument (z.B. auf der Decke einer Akustikgitarre) befestigt werden. Alternativ kann der Tonabnehmer auch in den Steg eingebaut oder zwischen Steg und Korpus geklemmt werden (z.B. bei Streichinstrumenten wie Kontrabässen und Geigen). Der Vorteil der letzteren Bauart ist, dass der Tonabnehmer die direkten Druckunterschiede wahrnimmt. Im Vergleich dazu ist das Verfahren den Tonabnehmer aufzukleben natürlich etwas einfacher in der Umsetzung. Dabei fungiert der Piezotonabnehmer als Körperschallmikrofon. Die Schwingungen der Saite werden über den Steg auf die Decke übertragen, und vom Tonabnehmer aufgenommen. In diesem Zusammenhang ist die Wirkungsweise der Spannungserzeugung durch den Tonabnehmer wieder dem elektromagnetischen Modell ähnlich, da die Druckschwankungen eine Wechselspannung erzeugt wird.

Für einen piezoelektrischen Tonabnehmer ist somit nicht nur die Position, sondern auch der gewünschte Klangcharakter entscheidend. Die Position entscheidet über die Reaktionszeit des Tonabnehmers, da dieser besser reagiert, wenn die Schwingungen stärker sind. Somit sollte der Tonabnehmer an einer möglichst schwingungsreichen Stelle positioniert werden. Allerdings sollte beachtet werden, dass je nach Ort der Befestigung der Klangcharakter ganz unterschiedlich ausfallen kann.

Wie auch der elektromagnetische Tonabnehmer hat der „Piezo“ einen Nachteil. Meistens werden durch den aufgenommenen Körperschall auch Nebengeräusche übertragen. Gerade bei Aufnahmen im Studio können Störgeräusche wie ein Klopfen, ein Kratzen oder auch Hintergrundgeräusche in Signale umgesetzt werden. Dadurch können Rückkopplungen entstehen, welche das Klangbild insgesamt trüben.

 

MIDI-Tonabnehmer

Die jüngste Art der Tonabnehmersysteme sind die MIDI-Tonabnehmer. Hierbei werden auch die Schwingungen aufgenommen, die das Instrument erzeugt. Allerdings wird dann das analoge in ein digitales Signal umgewandelt. Um die Schwingungen selbst aufzunehmen, kommt die piezoelektrische oder die elektromagnetische Abnahme zum Einsatz. Die in elektrische Signale umgewandelten Schwingungen werden dann zusätzlich durch eine elektronische Einheit (A/D-Wandler) digitalisiert und durch einen Mikroprozessor in MIDI-Signale umgewandelt.

Die MIDI-Tonabnahme entstand somit parallel zu den neuen Musikabspielmedien wie CD und MP3. In dieser Zeit wurde ebenfalls die Musikaufnahmetechnik verändert, sodass Tonaufnahmen nicht wie früher mechanisch aufgenommen wurden (z.B. Vinylplatten wurden gefräst), sondern direkt in „computerverständliche“ Informationen – also „0“ und „1“ kodiert wurden.

Zu Beginn der MIDI-Technik analysierten die Systeme noch den zeitlichen Abstand der Nulldurchgänge der Saitenschwingung. Meistens führte dies besonders bei tiefen Frequenzen zu deutlichen Latenzen (Verzögerungen) beim MIDI-Signal. Heutzutage nutzen die Systeme den charakteristischen Einschwingvorgang (engl. “attack”) einer Saite zur Frequenzanalyse. Durch diese Methode bewegen sich die Latenzen im Rahmen von 1 bis 5 Millisekunden, wodurch eine kaum wahrnehmbare Verzögerung entsteht.

Mit Hilfe der MIDI-Technik werden heutzutage während eines Live-Auftritts Mitschnitte gemacht, welche noch vor Ort bearbeitet werden können. Aktuell gibt es sogar einige Bands die einen Mitschnitt des Konzertes direkt nach diesem verkaufen!

 

 

Spezielle Tonabnehmerarten bei Saiteninstrumenten

Der Single Coil

Ausgehend von den vorher schon erläuterten Bauformen verschiedener Tonabnehmer ist es besonders interessant einen Blick auf die speziellen Arten bei E-Gitarren zu werfen. Die „normale“ Bauweise eines elektromagnetischen Tonabnehmers ist der sogenannte Single Coil. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er aus einer Einzelspule besteht. Das bedeutet, dass um einen Magnetkern eine Spule gewickelt wurde. Durch diesen Aufbau kann der Tonabnehmer sehr vielseitig eingesetzt werden.

Ja nach Position eines Single-Coils kann die Klangcharakteristik von warm und fett bis hin zu obertonreich und kratzend klingen!

Dieser „einfache“ Tonabnehmer war der erste, der in den sogenannten Solid-Body E-Gitarren verbaut wurde. In der Fender Telecaster und Stratocaster wurde er weltbekannt. Auch heute spielen noch unzählige Gitarristen der unterschiedlichsten Musikgenres in ihren Gitarren Single Coils. Dennoch hat dieser Tonabnehmertyp einige Nachteile, welche durch die verhältnismäßig einfache Bauweise (früher ohne Abschirmung) entstehen. Jegliche ferromagnetische Einflüsse von außen können ein Brummen erzeugen. Dies ist gerade für professionelle Musiker sehr unangenehm. Aus diesem Grund wurde unter anderem von Fender ein besonderer Tonabnehmer entwickelt – der sogenannte Noiseless Pickup. Bei diesem Tonabnehmer wurde der Draht der Spule mit Email – einer Art Decklack – eingefärbt, sodass ein brummen gerade bei gainreichen Verstärkern ausbleibt.

 

 

Der Humbucker

Im Unterschied zu Single Coil besteht der Humbucker nicht nur aus einem umwickelten Magnet, sondern zweien. Somit kann auch von einer Doppelspule gesprochen werden. Interessanterweise kommt der Begriff Humbucker von den englischen Verben to hum und to buck, was übersetzt so viel bedeutet wie dem Brummen widersetzen. Da das Unternehmen Fender für seinen brummenden Single Coil bekannt war, wollte die Firma Gibson diesem Problem entgegenwirken. Der Sage nach haben Seth Lovers und Walter Fuller bei Gibson Mitte der 1950er Jahre ausgehend vom P-90 Tonabnehmer an der Innovation eines Doppelspulenabnehmers gearbeitet. Über ein paar Jahre wurde das Produkt angepasst und 1957 für ein Patent angemeldet. Da dem Patent damals noch nicht stattgegeben worden war, trug der Tonabnehmer den Aufkleber (PAF = Patent applied for). Noch heute werden die ersten Humbucker von Gibson aufgrund diese Umstandes PAF genannt.

Wie aber schafft man es das charakteristische Brummen eines Single Coils mit einer zweiten Spule auszulöschen?

Die Idee hinter dem Prinzip des Humbuckings ist es zwei Single Coils zusammenzubringen. Diese werden gegenläufig gewickelt, sodass sich zwei gegenläufige Magnetfelder ergeben. Die Schwingung einer Saite erzeugt dann durch die entgegengesetzten Magnetfelder ein phasenverdrehtes Signal in den Spulen. Äußere Störgeräusche (bzw. ferromagnetische Signale) wirken dabei aber nur gleichphasig auf die Spulen. Durch die umgekehrten Phasen findet eine Auslöschung von Störsignalen statt. In Folge dessen wird nur das Nutzsignal der Saitenanschläge an den Verstärker gegeben und ein Brummen bleibt aus.

Eine weitere bauliche Besonderheit des Humbuckers ist, dass die entgegengesetzten Spulen meistens (elektronisch) in Reihe geschaltet werden. Bei einigen Modellen sind die Spulen aber auch parallelgeschaltet, wodurch sich eine weniger bass lastige Klangvariante ergibt. Weiterhin kann auch der Kurzschluss einer Spule genutzt werden, um hohe Töne zu erzeugen. Dies wird mit Hilfe eines Kondensators bewerkstelligt. Dadurch wirkt die Brummunterdrückung weiterhin und für hohe Frequenzen nähert sich der Klang des Humbuckers dem eines Single Coils an.

Weiterhin unterscheidet sich der Aufbau eines Humbuckers im Gibson-PAF-Stil vom typischen Fender-Single-Coil durch die unterschiedliche Bauweise der Eisenstifte. Beim Fender Single Coil stecken jeweils sechs Einzelmagnete in der Spule. Hingegen werden im Humbucker unmagnetisierte Eisenstifte eingesetzt. Das Magnetfeld des Stabmagneten unter den Spulen wird somit von den einzelnen Eisenstiften an die Saite herangebracht.

 

 

 

Aktiv vs. Passiv

Neben den zwei grundlegenden Arten von Tonabnehmern werden diese noch in aktive und passive Tonabnehmer unterschieden. Normalerweise werden Gitarren mit sogenannten „passiven“ Abnehmern ausgestattet. Diese sind nicht verstärkt und somit wirkt nur das Prinzip der Induktion in den umwickelten Magneten. Der Output des passiven Tonabnehmers kann dadurch nur im Rahmen der elektromagnetischen Induktion stattfinden. Somit ist eine Verzerrung mit dem bloßen Signal der Gitarre nicht möglich und kann nur über die Vorstufenverzerrung am Verstärker oder über ein Effekt-Pedal erzeugt werden.

Ein „aktiver“ Tonabnehmer ist im Vergleich zu einem „passiven“ Tonabnehmer mit einem eingebauten Vorverstärker-System ausgestattet. Dabei wird mit Hilfe einer Batterie (meisten 9V Block) das natürliche Output-Signal der Gitarre verstärkt. Somit kann der Ton nicht nur voluminöser gemacht werden, sondern es können auch bestimmte Frequenzen mit Hilfe eines Tone-Potentiometers ein- bzw. ausgeblendet werden. Der Vorteil dieses Pick-Up-Systems ist, dass das „natürliche“ Signal der Gitarre „aufblasen“ wird und somit der Gitarrenklang im Fokus steht. Bei „aktiven“ Tonabnehmer muss über Verstärker oder Effektgeräte der Ton nachregelt werden, um ein vergleichbares Niveau der Lautstärke und des Volumens zu erreichen. Gerade in Musikstilen wie Heavy-Metal und Rock sind „aktive“ Tonabnehmer-Systeme sehr beliebt, da man mit ihnen insgesamt einen hohen Output erzeugen kann. In Kombination mit einem gainreichen Verstärker kann somit ein „fetter“ und „rockiger“ Sound erzeugt werden

 

Bezeichnungen und Bedeutung von Tonabnehmer Set-Ups bei Gitarren 

SSS

Diese Kombination von Tonabnehmern ist das klassische Tonabnehmer Set-Up einer Fender Stratocaster. Dabei ist es möglich mit den 3 einzelnen Tonabnehmer über einen 5-Wegschalter verschiedenste Klänge zu erzeugen. Die Art und Weise der Positionierung der Pick-Ups hat einen maßgeblichen Einfluss auf den wiedergegebenen Klang der Saitenschwingungen. In der heutigen Zeit werden diese Tonabnehmer in sehr vielen Gitarren eingebaut, da sie gerade für Einsteiger ideal sind, um diverse Musikstile bedienen zu können.

Wie eingangs beschrieben ist es möglich das typische Rauschen und Brummen der älteren Tonabnehmerbauart heute zu verhindern, indem der Draht der Spule mit Email ummantelt ist.

 

 

 

HSS

In jüngerer Vergangenheit liest man immer häufiger in der Bezeichnung von Gitarren das Kürzel „HSS“. Dennoch wissen viele nichts mit dieser Abkürzung anzufangen. Gemeint ist damit eine bestimmte Anordnung von Tonabnehmern. Dabei werden zwei Single Coils und ein Humbucker in der Gitarrenelektronik verbaut. Die Anordnung ist meistens so gestaltet, dass der Humbucker die Bridge-Position einnimmt. Der sonst eher dünne und knallige Sound wird etwas fetter und rockiger gemacht. Die anderen beiden Pick-Ups übernehmen dann die Funktion der Middle-Pick-Ups und des Neck-Pick-Ups. Somit beraubt man zwar eine Stratocaster ihrem eigentlichen Charakter. In bestimmten Musikrichtung ist der Humbucker aber viel effektiver, da er mehr Klangspektrum bietet. Noch interessanter wird die Gitarre dann, wenn der Humbucker ein sogenannter Split-Coil ist. In diesem Falle kann man den Humbucker sowohl als Single-Coil nutzen (da der andere Teil der Spule „lahm“ gelegt ist) als auch als Humbucker. Folglich ist es möglich besonders viele Musikstile mit dieser Tonabnehmerkombination zu bedienen. Um möglichst alle Tonabnehmerkombinationen zuzulassen, wird bei den meisten Gitarren ein 5-Wegschalter verbaut. Dieser ist in Kombination mit zwei Tone-Potis eine echte, musikalische Allzweckwaffe. Vom dumpfen, fetten über jazzig, leichte bis hin zu spritzig hohen Sounds ist alles möglich.

 

 

 

HSH

Die Kombination von zwei Humbuckern und einem Single-Coil ist im Vergleich zum HSS-System eine noch deutlichere Positionierung in Richtung Rock und Metal. Der Bridge-Pick-Up und der Neck-Pick-Up sind Humbucker, sodass nur der Middle-Pick-Up ein Single-Coil ist. Dieser mittlere Pick-Up dient dazu den sonst fetten Sound der beiden Humbucker mit einem mittigeren Sound aufzufrischen. In den meisten Gitarren mit dieser Anordnung wird ein 5-Wegschalter verbaut, um alle möglichen Tonabnehmerkombinationen zu ermöglichen. Die HSH-Kombination ist somit meistens bei Firmen wie Jackson, Ibanez oder Music Man wiederzufinden. Dennoch stellen auch eher konservative Firmen wie Fender Gitarren mit diesen Tonabnehmer Set-Ups her.

 

SHH

Ähnlich wie die Anordnung bei der Kombination HSH werden bei der Kombination SHH zwei Humbucker verbaut. Hierbei ist die Überlegung allerdings eine anderen, als beim System HSH. Da der Halstonabnehmer oft schon sehr fett und holzig als Single-Coil klingt, wird dieser so beibehalten. Somit wird der Middle-Pick-Up und der Bridge-Pick-Up durch einen Humbucker ersetzt. In Folge dessen kann man die Vorteile eines Single-Coils als Halstonabnehmer genießen und trotzdem mit den zwei Humbuckern fette und rockige Rhythmen spielen. Bei dieser Kombination gilt ähnliches wie bei HHS und HSH. Es wird meistens ein 5-Wegschalter verbaut, sodass eine große Klangvielfalt möglich ist.

 

HHH

Im Gegensatz zu den vorher genannten Tonabnehmerzusammensetzungen ist diese Kombination nur aus Humbuckern bestehend. Das Ziel einer solchen Bauweise ist ein möglichst fetter und gainreicher Sound, welcher besonders gut für Rock und Metal geeignet ist. Zusammen mit einer 5-Wegschaltung und zwei Tone-Potentiometern ist es möglich die gleichen Tonabnehmerkombinationen wie bei einer Gitarre mit 3 Single-Coils abzudecken. Da diese Konfiguration nicht wirklich typisch ist, findet man diese Instrumente nicht so häufig im Instrumentenhandel. Dennoch kann man in Zeiten des „Customizings“ auch solche Kombinationen in alle möglichen Typen von Gitarren einzubauen.

 

HH

Bekannt ist diese Konfiguration vor allem aus der Gibson Les Paul, womit sie aktuell einer meistverkaufstesten Tonabnehmer-Set-Ups ist. Bei diesem Konzept wird auf einen Middle-Pick-Up verzichtet, sodass nur der Halstonabnehmer und der Brückentonabnehmer überbleiben. Statt eines 5-Wegschalters gibt es dann nur einen 3-Wegschalter mit Hilfe dessen man die Pick-Ups einzeln oder gemeinsam anspielen kann. Hinzu kommen bei einer Les Paul zwei Volume-Potis und zwei Tone-Potis. Dadurch ist es möglich nicht nur die Lautstärke der einzelnen Tonabnehmer zu regeln, sondern auch die jeweilige Mittenverteilung. „Böse Zungen“ behaupten, dass ein „zugedrehter“ Tone-Poti klingt als wäre die Gitarre durch eine Decke gespielt.

 

 

 

SS 

Diese Kombination ist am bekanntesten aus der Fender Telecaster. Nachdem Leo Fender dieses Modell als erste „Solid Body“-Gitarre in den 1940er gefertigt hat, wurden die damals typischen Single-Coils verbaut. Der heute berühmte Sound der Telecaster wurde damals geboren und ist noch heute bei vielen Gitarristen extrem beliebt. Ähnlich wie bei der Kombination von zwei Humbuckern werden auch diese Pick-Ups in der Halsposition und in der Brückenposition verbaut. Dadurch wird ein klarer und kehliger Ton erzeugt, welcher besonders für Country-, Folk-, Pop- und Bluesmusik geeignet ist. Da nun zwei Tonabnehmer verbaut sind, wird meistens ein 3-Wegschalter, ein Volume-Poti und ein Tone-Poti verbaut. Mit diesem sparsamen elektrischen Set-Up ist es dennoch möglich eine Vielfalt an Sounds zu erzeugen. Auch bei anderen Herstellern als Fender, wie PRS oder Ibanez findet diese Kombination ihren Einsatz bei sogenannten T-Modellen.

 

 

 

SH (oder HS)

Um den eher braven Sound eines SS-Tonabnehmer-Set-Ups aufzupeppen, kann man einen Single-Coil durch einen Humbucker ersetzen. Dabei kann sowohl der Halspickup als auch der Bridgepickup ausgewechselt werden. Die elektronische Ausführung ist mit Ausnahme des Tonabnehmers genauso wie bei der Kombination von zwei Single-Coils. Allerdings ist die Klangcharakteristik doch im Vergleich zum SS-Set-Up so verschieden, dass man mit einer SH (oder HS) Gitarre auch härtere Musikstile bedienen kann.

 

Zusammenfassung

In der Vergangenheit haben sich die Gitarrenhersteller immer wieder neue Set-Ups von Tonabnehmern ausgedacht. Dabei sollte der Klang von elektrischen und akustischen Gitarren und Bässen erweitert werden, um aktuelle Entwicklungen der Musikstile zu unterstützen. In Zukunft wird es sehr spannend bleiben, welche neuen Tonabnehmerarten auf den Markt kommen.

Der Sound von Saiteninstrumenten ist zumindest momentan schon sehr vielfältig, weshalb es sich lohnt möglichst viel auszuprobieren und seine eigene Klangwelt zu entdecken. Wir haben immer eine große Anzahl von Instrumenten mit unterschiedlichen Tonabnehmer-Kombinationen auf Lager. Stöbert gerne einmal in unserem Shop durch die verschiedenen Gitarren!

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